Wege unter dem Pflug

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Makronist

Mit Makrofotos hat das folgende Konzept erst am Ende etwas zu tun. Ich hoffe, es stößt hier trotzdem auf Interesse bei Leuten, die dem Naturschutz verbunden sind und die vielleicht auch in Verbänden oder der Kommunalpolitik aktiv für den Naturschutz kämpfen.

Als Geoinformatiker bei einem Dienstleister für die Kommunalverwaltung in NRW haben wir eine Auswertung [1] gemacht, die  bei der Einrichtung von Blühstreifen an Wirtschaftswegen helfen soll.

Auswertung

Wirtschaftswege sind meist im Eigentum der Gemeinde. Typischerweise sind die Flurstücke im Kataster etwa 5 Meter breit wobei aber nur gut 2 Meter Breite als Fahrbahn befestigt sind. Im Laufe der Zeit kommt dann immer mehr vom Randstreifen unter den Pflug, bis die Fläche bis dicht an die Fahrbahn landwirtschaftlich genutzt wird.
Als Entschuldigung für die Landwirte sei erwähnt, dass die Grenzvermarkung an Feldern oft unterirdisch erfolgt und somit nicht sichtbar ist. Mit Mitteln der Geoinformatik kann diese mißbräuchliche Nutzung aber leicht nachgewiesen werden. Dazu vergleicht man einfach 2 Datenbestände:

  1. Die Gemeinde kann vom Katasteramt Daten des Liegenschaftskatasters bekommen, Verfahren ALKIS, Format NAS. Es muss die Flurstücks-Geometrie enthalten sein und die Eigentümerdaten. Die in NRW als "OpenData" veröffentlichten NAS-Daten sind nicht verwendbar, weil die Eigentümerdaten darin fehlen (Datenschutz). Gemeinden bekommen diese Daten in NRW fast kostenlos. Die Daten können mit einem Konverter [2] in eine Geo-Datenbank wie "PostGIS" importiert werden.
  2. Von der Landwirtschaftskammer [3] bezieht man die Feldblöcke. Das sind die von den Landwirten gemeldeten bewirtschafteten Flächen. Die Schlepper verfügen heute über GPS-Geräte mit einer Genauigkeit im cm- oder dm-Bereich. Damit können die Flächen ausreichend präzise ermittelt werden. Diese Flächen werden ebenfalls in die Geo-Datenbank importiert.

Nun führt man eine Verschneidung durch. Datenbank-Funktionen oder ein Programm wie "QGIS" können auswerten, welche Flächen sich gleichzeitig in einem Feldblock befinden und zu einem Flurstück gehören, dass im Eigentum der Gemeinde ist. Durch eine negative Pufferung (-10cm) und einen Filter auf Mindest-Flächengröße blendet man Bagatellfälle aus.

Man identifiziert damit manchmal Flächen wo 1 bis 2 Meter Breite eines Gemeinde-Flurstücks auf einer Länge von mehreren hundert Metern unter den Pflug gekommen sind. Im Kontext von Digitalen Ortho-Photos (DOP, Luftbilder) und Eigentümerauskunft in einem Kommunalen Geo-Informations-System (GIS) kann man diese Flächen dann näher betrachten.

Umsetzung

Nun hat die Geo-Informatik ihren Teil geleistet und Politik und Verwaltung sind an der Reihe. Die Gemeinde muss bereit sein, ihre eigenen Flächen von den Landwirten zurück zu fordern um sie in Blühstreifen umzuwandeln. Dieser Teil hat sich in der Praxis als der schwierigere heraus gestellt. Es fehlt die Motivation auf der Ebene der Sachbearbeiter. Etwas Lobby von Naturschutzverbänden könnte hier motivierend sein. Rat oder Verwaltungsleitung müssen das unterstützen.

Diese Randstreifen in unmittelbarer Nachbarschaft zu gedüngten und mit Pestiziden behandelten Flächen sind sicherlich nicht ökologisch wertvoll. Zwischen großflächigen Monokulturen von Raps oder Mais bilden sie aber eine Abwechslung mit ganzjährigem Nahrungsangebot, wenn sie entsprechend vorbereitet werden.

Wenn das Konzept umgesetzt wird, dann können wir in wenigen Jahren dort schöne Makro-Fotos am Ackerrand machen.

Links:

[1] https://www.krz.de/index.php?object=tx|2669.73&ModID=255&FID=2669.898.1  Sorry für den Titel, nicht meine Idee
[2] Konverter "ALKIS-Importer" http://norbit.de/68/  http://postnas.org
[3] https://www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/feldblock/angebot/bestellen.htm

Kommentare

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Makronist

Grundsätzlich unterstützenswert. Allerdings habe auch ich die Kritik, wie schon in deinem Text angeklungen, dass diese Randstreifen ökologisch weniger Wertvoll sind, die Blühstreifen sind sicher eine Art Nektar- und Pollen Tankstelle, jedoch ersetzen sie natürlich keine auf natürlichem Wege entstandenen Biotope. Teilweise wirken sie sogar schädlich wenn standortfremdes Saatgut ausgebracht wird oder der Landwirt Insektizide einsetzt und somit die Insekten, die erst angelockt werden geschädigt werden.

Außerdem sollte der Blühstreifen auch erst im Frühjahr abgemäht werden, oder gar nicht. Da viele Insekten dort überwintern und auch den überwinternden Schmetterlingspuppen/Raupen würde man einen gefallen tun. Auch sollten solche Maßnahmen nicht als "greenwashing" genutzt werden sondern der Naturschutz muss noch viel tiefgreifender erfolgen.

Trotz dieser Kritikpunkte finde ich es unterstützenswert und die Gemeinden sollten alles in ihrer Macht stehende tun, um die Natur zu schützen. Das fängt auch schon damit an nicht ständig überall zu mähen, was ich leider noch viel zu oft beobachte.

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