Fächerflügler (Strepsiptera) der Gattung Xenos - Ein Parasit bei Wespen

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Hallo Gabi,

das ist eine soziale Faltenwespe, genauer gesagt eine Feldwespe der Gattung Polistes, noch genauer kann ich es anhand des Fotos nicht eindeutig sagen. Es gibt mehrere Polistes-Arten bei uns.

Das sind recht große, wespentypische Wespen, die vielfach kleine Nester bauen - freiliegende Waben, die mit einem zentralen Stiel irgendwo an einem stärkeren Grashalm, Ästchen oder sonst was meist in Bodennähe bis max. etwa Kniehöhe angeheftet werden. Sie kommen auch gerne in naturnahen Gärten vor. Und sie naschen sehr gerne an Edeldistel - so wie auf Deinem Foto.

Nun zu den kleinen Knubbeln unter ihrem "Röckchen":

Xenos  -  Fächerflügler-Parasit bei Feldwespen

Das ist sehr interessant. Es handelt sich um sogenannte Fächerflügler (Strepsiptera), hier die Gattung Xenos, kleine Parasiten mit einem super interessanten Entwicklungszyklus. Es gibt eine Xenos-Art, die sich auf Feldwespen spezialisiert hat - Xenos vesparum. Um diesen kleinen Burschen dürfte es sich hier handeln.

Bei den Xenos-Weibchen sind Brust (Thorax) und Kopf sehr stark reduziert. Sie verbringen ihre gesamte Imaginalphase (= reife Phase nach vollständig abgeschlossener Larven-Entwicklung) im Wirt, also im Körper der Feldwespe. Typisch sind hier - und das sieht man auf Deinem Foto - die zwischen den Abdomensegmenten ("Röckchen") herausragenden Kopfkapseln der Xenos-Weibchen. Mann nennt in dieser Form befallene Weibchen "stylopisierte" Weibchen.

Nur die Männchen können frei fliegen. Sie begatten die Weibchen; dabei sieht man sie schonmal um die Wirte herumfliegen.
Die Xenos-Weibchen legen nach der Begattung die Eier im Wirt ab. Dort schlüpfen sie und gelangen durch deren Blütenbesuche auf andere Blüten, wo sie sich an andere Wirte (hier in dem Fall andere Feldwespen) anheften, sobald diese die Blüten zum naschen aufsuchen. So gelangen sie in deren Nester, wo sie sich in die jungen Wespenlarven einbohren und mit diesen heranwachsen. Der Kreislauf ist geschlossen.

Die Wirte werden nicht zwingend getötet, aber sie verändern durch den Parasitenfraß stark ihr Verhalten und verlieren häufig ihre Fruchtbarkeit. Im Extremfall kann es also schlussendlich doch zum Gesamtausfall eines Nestes führen.

Du siehst, wieder einmal eine spannende Geschichte!

Lieber Gruß,

Roland

Roland Günter ist Betreiber von Makrotreff und Herausgeber von MAKROFOTO. Der Dipl. Forst-Ingenieur betreibt die Makrofotografie hauptberuflich und verwaltet ein umfangreiches biologisch-wissenschaftliches Bildarchiv.

Der Kern seiner Arbeit liegt in der Dokumentation biologischer Vielfalt. Zu diesem Themenkomplex werden seit vielen Jahren seine Fotos und Reportagen im In- und Ausland in vielen gängigen Zeitschriften und Buchproduktionen publiziert.

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