Schärfetest mit dem Silberfischchen (Lepisma saccharina)

Vor einiger Zeit habe ich mich mit der technischen Vermessung der Auflösung ("Schärfe") meiner Objektiv-Tubuslinsen-Kombinationen gemacht. Geniales Verfahren hierzu: "Slanted Edge"-Methode. Man muss dazu nur eine leicht gedrehte scharfe Linie Fotografieren (vgl. Bild 2), und erhält die volle MTF-Kurve für die zu destende Optik, und zwar unabhängig von der Kamera-Auflösung (vgl. Abb 3). Für die meisten von Euch ist das wahrscheinlich nicht so interessant, aber man kann natürlich auch normale Objektive damit vermessen.

In Bild 4 sind die MTF-Kurven für das Sony 90mm Makro bei 1:1 und verschiedenen Blendenöffnungen dargestellt. Als Ergebnis dieser Kurven ist das Konzept der "effektiven Pixel" am einfachsten zu verstehen:

Für die Sony A7R3 mit 42 MP gilt:

Bei Blende 4 werden fast alle der 42MP genutzt, 

bei Blende 8 sind es nur noch 71%, also ca. 30 MP,

bei Blende 16 sind es weniger als 20 MP.

Bei Blende 16 kann man also die  Bilder getrost mit PS (o.ä.) auf 20MP reduzieren, ohne dabei irgendeine Information zu verlieren. Im Gegenteil: man reduziert dadurch sogar noch den Rauschanteil. Noch drastischer ist das bei kleineren Sensoren mit kleinerem Pixel-Pitch.

Für die APSC-Sony (z.B. A6300) mit 20 MP ergibt sich:

Blende 8:  61%*20MP= 12MP

Blende 11: 51%*20 MP =10.2MP

Bereits bei Blende 11 hat man also hier die Hälfte der Pixel der Kamera verschenkt!

(Noch ein wenig krasser ist es bei der A7R4 mit 60MP Auflösung, da schenkt man bei Blende 8 bereits 35MP her - die teuren Pixel  ;- ).

Wem das alles zu technisch ist, der sehe sich das Silberfischchen an. Interessanterweise sind die Abstände der Schuppen-Adern sehr unterschiedlich und auch nicht immer parallel. Auch kleine Stackingfehler etc. fallen bei diesen regelmäßigen Strukturen sofort auf (siehe z.B. Bildrand unten links).

 

Kommentare

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MOD

Hallo Uli,

nun hast Du dem Silberfischchen auch noch seine Schönheit entlockt. Es hat wirklich Schuppen wie ein Fisch und sieht damit wunderschön aus. Wie kann man sie da noch vernichten. Dafür werde ich hier zu Hause sicher mit Unverständnis bedacht.:-)

Deine interessante Pixel- Info gebe ich gerne weiter.

Schönen Abend noch.

Liebe Grüße

Gabi

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Makronist

Hallo Uli,

neben dem tollen Bild finde ich die Analyse, wieviele Pixel benutzt werden, sehr interessant! Schon krass, wie oft man seinen Sensor einfach nicht voll nutzen kann...hier natürlich am Beispiel 1:1, bei kleineren ABMs wird es bestimmt weniger streng ;-)

Danke fürs Zeigen und Erläutern!

Rob

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Makronist

Grüß dich Uli,

danke für die Rückmeldung! ich hatte vermutet, dass Beugungsunschärfe einfach auch zu einer schlechteren Nutzung der Pixel beitragen könnte. Vielleicht war ich auf dem falschen Pfad. Bei 2:1 und f/16 war bei meinen (natürlich nicht so fachmännischen) Versuchen der Ofen echt aus. 1:1 ist ja schon auch bereits eine Herausforderung aber ich bin da nicht so tief drin wie du. Ob sich das dann direkt so auswirkt, wie du es messen konntest kann ich nicht einschätzen. Bei meinem Laowa bekomme ich gefühlsmäßig bei meinen üblichen ABMs zwischen 1:2 und 1:4 bei etwa f/5,6 aus meiner Sicht die besten Ergebnisse auf den Sensor.

Schöne Grüße

Rob

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