Cyclop 1.5/85mm – Currykraut (Helichrysum italicum)

In meiner Kräuterspirale blüht zur Zeit das Currykraut (Helichrysum italicum), auch Italienische Strohblume genannt. Genauer gesagt, seine Blüte befindet sich in den letzten Zuckungen; es ist weitestgehend abgeblüht, nur noch wenige Einzelblüten heben sich mit ihrem hellen Gelb von den übrigen, silbergrün-braunen Farbtönen der Pflanze stark ab. Insbesondere im schwachen Licht der Abenddämmerung – das Foto entstand vorgestern um kurz vor 22:00 Uhr – wirken diese letzten Blüten schon fast ein wenig mystisch inmitten der sanften, silbernen Lichtreflexionen des Abendhimmels auf den übrigen Pflanzenblättern. Die weit offene Blende 1.5 des Cyclops ermöglichte immer noch eine gut freihand beherrschbare Verschlusszeit bei niedrigem ISO-Wert – ein Vorteil der Vintage-Makrofotografie, den ich sehr oft schätze.

Kommentare

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Makronist

Das ist ja eine spannende Kombination : kurz vor 22 Uhr mit ISO 100 und Verschluss 1/125s  welches Objektiv schafft denn so eine geniale Aufnahme? Ist es die lange Verschlusszeit oder das Cyclop, für mich irgendwie rätselhaft, eigentlich müsste doch ISO 500 zu der Dämmerung gegen 22 Uhr passen. 

Mit einem modernen Obi geht doch sowas garnicht, oder lieg ich da falsch?

Lieber Gruß Sigi 

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ADMIN

Hallo Sigi,

21:46 Uhr zeigte die Uhr zum Zeitpunkt der Aufnahme.
Das "Geheimnis" lag im Himmel: Es war klar, die Sonne war lange untergegangen. Aber der Himmel war noch hell, und ich habe genau "gegen" diesen hellen Himmel fotografiert, also genau gesagt von Osten Richtung Westen, also in die Richtung, in der die Sonne untergegangen war und der Himmel nun noch am hellsten war.

Hört sich jetzt alles mächtig kompliziert an, ist es aber nicht. Ich will nur beschreiben, wie es zu dieser Aufnahme bzw. zu den Daten zu dieser Aufnahme kam – denn das willst Du ja wissen :-).

Also: Infolge der oben beschriebenen Situation fiel das Restlicht des relativ hellen Abendhimmels auf die silbrig-grünen Blätter des Currykrauts – ein ganz sanftes, "leises" Restlicht; dadurch kommen die ebenfalls sanften Reflexe, die deren Form so wunderbar subtil rausarbeiten (insbesondere im unteren Bereich des Bildes). Diese Reflexe sowie das Himmels(rest)licht, das ungehindert auf die Pflanze fiel, lieferten genügend Licht für die Blende 1.5.

Und nun benötigt man nur noch denjenigen Malpinsel, der mit solchen Situationen umgehen kann – oder anders ausgedrückt, der hier den richtigen Schmackes ins Bild zaubert: Das ist beispielsweise das Cyclop 1.5/85mm-Objektiv :-).

Du siehst, alles ganz einfach... :-).

Liebe Grüße

Roland

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ADMIN

Hallo Sigi,

freut mich, dass es Dir gefällt :-).

Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass das Hauptmotiv, hier die gelben Blüten des Currykrauts, weitestgehend Schärfe erhält. Das ist oben im Bild "scharf" an der Grenze. Erstens habe ich das Hauptmotiv recht weit nach Rechts Richtung Bildrand positioniert (das Foto ist in Originalgröße, also KEIN Grob); man sieht, dass die rechten Blüten bereits recht deutlich an Schärfe verlieren. Dies kommt insbesondere dadurch zum Tragen, dass ich das Foto im Vollformat erstellt habe.
Zum anderen ist die Farbe Gelb immer etwas schwierig; wir hatten das Thema hier schon öfter bei Makrotreff. Die Kontrastwerte eines knalligen Gelbs stellen für viele insbesondere ältere, aber auch moderne Objektive eine große Herausforderung dar. Die Bildergebnisse wirken häufig unscharf.

Hätte ich die gelben Blüten bei vollem Sonnenlicht aufgenommen, würden sie noch deutlich unschärfer wirken. Hier kommt mir also das sehr ruhige, gedämpfte Abendlich entgegen.

Liebe Grüße

Roland

 

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Makronist

Ja nun Roland,

jetzt frag ich nochmal, das mit den gelben Blüten hab ich auch schon öfter bemerkt, fast wie bei weißen Blüten, aber was meinst du mit dem Schärfeverlust der rechten Blüten, in welchem Zusammenhang spielt da das Vollformat eine Rolle? Ist da nicht der eingeschränkte Schärfebereich durch die Struktur der Blüten maßgebend dafür, so dass die rechten Blüten da weniger mit erfasst werden?

Lieber Gruß Sigi

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ADMIN

Randunschärfen bei alten Objektiven

Hallo Sigi,

viele alten Objektive – so auch das Cyclop – weisen einen Schärfeverlust zu den Bildrändern hin auf, insbesondere bei Offenblende. Dies schränkt bei der Bildkomposition ein. Es ist nicht in dem Maße wie bei der Verwendung von hochkorrigierten modernen Objektiven möglich, ein Hauptmotiv aus der Bildmitte hinaus bildwirksam beispielsweise in den Goldenen Schnitt, auf die Drittellinie oder sogar darüber hinaus zu schieben. Denn dabei werden sie sehr schnell von der abfallenden Schärfe erfasst und unscharf wiedergegeben.

Obwohl das Cyclop eine leichte Verlegung des Hauptmotivs in Richtung Bildrand bzw. Bildecke verkraftet – es ist ziemlich gut korrigiert –, verfügt auch dieses tolle Objektiv über seine diesbezüglichen Grenzen. Und das kann man oben am Bild schön sehen. Während die linken, näher zur Bildmitte hin liegenden Einzelblüten noch relativ scharf abgebildet werden, lässt die Schärfe bei den rechten Blüten schon merklich nach; sie liegen weiter entfernt von der schärfe-optimierten Bildmitte.

Man muss bei jedem alten Objektiv, das man einsetzt, austesten, wie weit bei Offenblende die Schärfe zu den Bildrändern hin in einem noch akzeptablen Maße erhalten bleibt. Darüber hinaus sollte man ein Hauptmotiv möglichst nicht platzieren, da es sonst zu unscharf wird – es sei denn, man möchte genau diese Unschärfe haben und damit gestalten. Aber das ist dann ein ganz anderes Thema :-).

Liebe Grüße

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

jetzt hab ichs kapiert, die Vintage Objektive haben ihre Grenzen und das macht es für uns umso  interessanter damit umzugehen, wieder was dazugelernt, Im Grunde auch ganz gut für alle anderen User hier im Treff, man kann ja nicht alles wissen. 

Nochmal Danke für deine Ausführungen

 

lieber Gruß Sigi

Profile picture for user Flora1958
MOD

Hallo Roland,

wieder ein tolles Bild von dir. Auch mit wenig Licht kannst du zaubern.:-)  Diese silbrigen Reflexe geben dem Bild einen verträumten, mystischen Touch.Die angedeuteten Blätter im Hintergrund ziehen die Blüte noch  mehr nach oben.Cool! Danke auch für die Informationen, die du uns unter anderem auch im Austausch mit Sigi zukommen läßt.;-)

Schönes Wochenende

Liebe Grüße

Gabi

 

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ADMIN

Hallo Gabi,

das ist mehr ein "sanftes" Gemälde. Hier arbeitet das Cyclop mit sanftem Pinsel. Aber ohne das zurückhaltende, aber dennoch vorhandene Rendering im Bokeh wäre das Foto – ja, eigentlich nichts. Wie man hier sieht, kann es auf die Nuancen ankommen – selbst bei so einer Bokehschleuder wie dem Cyclop 1.5/85mm.

Liebe Grüße

Roland

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