Hortensie

Hallo Freunde,
heute habe ich mir meine Hortensien vorgenommen. Viel zu viele Blüten auf viel zu engem Raum, das sorgt für eine volle Tonne und nur wenig präsentables.

Kommentare

Profile picture for user Roland
ADMIN

Frage an weitere Betrachter...

Hallo Wolfgang,

puh, schwierige Fotos! Die schaue ich mir jetzt zum ich weiß nicht wievielten Male an – und komme trotzdem nicht so richtig weiter.

Die super knappe Schärfe liegt bei beiden Fotos korrekt. Die Bildaufteilung ist ebenfalls ansprechend. Und die schwachen Kontraste haben gewiss ihren Reiz.

Aber was ist es dann, an dem ich so hartnäckig hängen bleibe? Ist es die Bildaussage? Hortensien sind eigentlich stattliche, fast wuchtige Pflanzen. Du stellst sie zart und vergänglich dar. Liegt hier ein Widerspruch in der Bildaussage vor, der mich durch die Hintertüre festhält und blockiert? Ich weiß es nicht.

ALSO: Wie geht es anderen Bildbetrachtern mit diesen beiden Fotos. Mich interessieren hier weitere Meinungen und Einschätzungen.

Liebe Grüße 

Roland

Profile picture for user Flora1958
MOD

Hallo Wolfgang und Roland,

ich hab es mir auch heute schon einige Male angeschaut. Mir ging es ähnlich. Vielleicht liegt es daran, dass die Hortensienblüte von links so gedrückt aussieht, was sich ja durch die Schrägstellung automatisch ergibt.Vor der Blüte der dunklere, grüne Streifen, der die Blütenblätter in der Unschärfe nochmals mehr optisch zusammendrückt, dann kurz vor der Mitte öffnet sich die Blüte in die Schärfe, danach wieder ein beiger Ruheraum und  erst  dann wieder die Knospen in der Unschärfe rechts oben. Ich galube es teilt sich einfach, fällt auseinander in seiner Bildwirkung. Die Verbindung fehlt. Ich hoffe, ihr versteht was ich meine. Eigentlich eine supergute Arbeit von Dir, Wolfgang.

Liebe Grüße

Gabi

Profile picture for user Erich Müller

Hallo ihr Lieben,

nun wurde ja schon einiges zu diesem Foto (1) geschrieben, und auch ich bin am schauen. Ich denke dass die geschlossenen Blüten rechts oben noch mehr in die Unschärfe gehen könnten, so in etwa wie rechte untere Ecke, irgendwie scheinen sie mir noch ein wenig dominant. Sie lenken meinen Blick immer wieder zu sich hin. Wie Gabi schreibt empfinde auch ich, dass die Blütenblätter links gequetscht aussehen, der Eindruck wird durch den den dunklen Bereich verstärkt.

Bei Foto 2 könnte mir ein Hochformat oder Quadrat besser gefallen, wäre für mich spannender, da das rechte Viertel sehr milchig ist, ohne Konturen. Ein Cut knapp hinter den beiden rechten noch schemenhaft  erkennbaren Knospen, so dass es ungefähr die selbe Distanz wie vom linken Rand ergibt. Ja, wenn ich so mit der Hand diesen Raum abdecke, kommt für mich mehr Spannung auf.

Liebe Grüße

Erich

 

Profile picture for user Rob
Makronist

Hallo Zusammen,

nachdem ich die Kommentare hier gelesen habe, kann ich jetzt natürlich meinen ersten Eindruck nicht mehr ganz herausfiltern. Mir gefallen beide Bilder eigentlich sehr gut. Aber ja, irgendetwas is los... Hmm. Bei Bild 1 könnte etwas zusätzlicher Raum noch mehr Harmonie schaffen. Die von Erich angesprocheneren unscharfen Strukturen rechts oben könnten in meinen Augen noch ein wenig mehr Freiraum (vor allem nach oben) haben. Persönlich wurde ich bei Bild 1 Sättigung und lokale Kontraste (vor allem im Schärfebereich) noch etwas hochziehen. Bei Bild 2 würde ich gerne den Schärfepunkt noch mehr "herausspringen" lassen. Die scharfen Knospen hätte ich hier nochmal minimal aufgehellt und nachgeschärft.

In der Summe sind das aber nur "Kleinigkeiten". Zudem hat jeder Mensch seine Art, ein Bild und dessen Wahrnehmung zu verarbeiten.

Schöne Grüße

Rob

Profile picture for user IngaEdel
Makronist

Ich muss zugeben, lange hatte ich mir die Bilder bisher nicht angeschaut. Mein erster Eindruck war Platzierung und Schärfe gekonnt, da versteht jemand sein Handwerk. Aber das hatte nicht gereicht, mich für die Bilder zu begeistern. Licht und Farbe sind mir zu flau. Das löst bei mir geradezu einen Fluchtreflex aus.

Bild 1 ist für mich ein prima Trauerbild. Abwohl die Blüten eigentlich am Aufgehen sind, kränkelt schon alles. Das ist kein rundes Leben. Irgendwie unspektakulär, deprimierend, traurig. Da möchte ich nicht hineingezogen werden. Für mich spielen hier Licht und Farbe eine entscheidende Rolle. Es gibt Licht- und Farbverhältnisse, die mich anziehen und andere, die mich abstoßen.

Den Analysen der anderen kann ich folgen, ich nehme es auch so wahr. Klasse, dass die Bilder nun doch so eine intensive Diskussion und Auseinandersetzung ausgelöst haben.

Liebe Grüße

Inga

Profile picture for user Wolfgang Zeiselmair
MOD

Ich grüße das kommentierfreudige Volk *lach*,

vielen Dank für Eure Sicht und Eure Gedanken zu meinen Bildern. Kommentare sind das Salz in der Suppe von Makrotreff, nicht die Jagt nach vielen "likes" und sg. Anmerkungen (ein schönes Bild) sollte das Ziel sein, sondern zielführende konstruktive Kritik, merci dafür. Je mehr Rückmeldungen kommen, desto mehr bekommt man ein Gefühl dafür, was anderen in den Augen "kratzt", man behält es im Kopf und lernt dabei. Anmerkungen sind immer so subjektiv wie das Bild das man einstellt, es gibt kein richtig oder falsch, nur das eigene Empfinden und die daraus resultierende Meinung. Also an alle die nicht so gerne schreiben, weil sie keinen auf den Schlips treten wollen, tut es trotzdem, Eure Meinung ist wichtig.

Servus
Wolfgang

Profile picture for user Klaus.i.
Makronist

Hallo Wolfgang,

nach DER Aufforderung fühle ich mich ja geradezu genötigt meine Meinung zu schreiben 😁

Mir geht es ähnlich wie Inga. Für mich war das Bild / die Bildaussage irgendwie langweilig und hat mich nicht angezogen. Bei näheren Betrachten hatte ich den Eindruck, dass es in schwarzweiß, etwas aufgepeppt gut aussehen könnte.
Ich habe es mal ausprobiert und für mich sah das Bild in schwarzweiß mit sichtbaren "Adern" der Blüte gleich viel interessanter aus.

Liebe Grüße
Klaus

 

Profile picture for user Dirk
Makronist

Grüß Dich Wolfgang,

vorab erstmal der Hinweis das ich sowohl in Sachen Bildbeurteilung als auch im Fotografieren mich zu den Anfängern zähle (das könnt Ihr viel besser) und es mir darum geht zu benennen was und wie etwas auf mich wirkt. Dennoch versuche ich Bilder intensiv zu betrachten um zu erkunden wodurch sie ihre Wirkung entfalten. Um die Bilder möglichst gleich bei der Entstehung optimal zu gestalten habe ich mich in dieser Richtung belesen. Dazu habe ich im Netz eine Seite gefunden welche mir zum Thema "Kunst der Bildbetrachtung" einige Impulse gegeben hat. Denn mein persönlicher Fotoschwerpunkt in diesem Jahr ist die Bildgestaltung und Bildwirkung. Des Weiteren habe ich mir nicht alle Kommentare durchgelesen. (sorry :-)) Falls sich also etwas doppelt ist das keine Absicht.

Nun zum Bild 1: Das dominante Objekt, die Blüte der Hortensie, liegt, nach meiner Beobachtung, mit der Blütenmitte voll im Schärfebereich. Auch die hinteren Blätter befinden sich zum Teil im Bereich der Schärfe.

Linien, welche mein Auge führen, habe ich in eben diesen hinteren Blütenblättern gefunden. Es sind die Adern der Blütenblätter welche, wunderschön gezeichnet, sich zum Zentrum der Blüte hin zentrieren und meinen Blick in die Blütenmitte leiten. Die Blüte lässt sich sehr schön anschauen.

Zwischen dem linken Bildrand und der Blüte wirkt das Bild auf mich etwas dunkel. Zusammen mit den linken Blütenblättern, welche sich in der Unschärfe befinden, habe ich das Gefühl, dass das Bild dort noch nicht fertig ist. Mein Blick fällt dort etwas ins Leere.

In der rechten oberen Ecke sind Knospen von Hortensienblüten zu sehen. Durch diese Knospen habe ich den Eindruck, das die Balance im Bild wieder etwas ausgeglichen wird. Dennoch hab ich noch immer den Drang links etwas zu suchen. 

Da ich von kräftigen und starken Farben magisch angezogen werde, wirken diese Farben auf mich etwas flau und trist. Was auf gar keinen Fall bedeutet das dies schlecht ist. :-) Damit erzeugt das Bild bei mir eine Stimmung von Traurigkeit respektive die Stimmung eines grauen tristen Tages wo man nicht weis was man mit sich anfangen soll. 

Würde ich die Botschaft des Fotografen erraten müssen, würde sie wie folgt lauten:

"Die Schönheit einer Hortensienblüte an einem trüben Tag."

Ich habe in meinem Garten ebenfalls probiert Blüten der Hortensie zu fotografieren und habe es aber nicht geschafft ein Bild einzufangen, welches eine Emotion (egal welche) beim Betrachter hervorruft. Bei mir sah das schon anders aus*lach*. Ich empfand schon den einen oder anderen Frust wegen Ermangelung eines vernünftigen Bildes. Insofern weis ich das es keine einfache Sache ist so ein Bild zu fotografieren.

Trotzdem hoffe, dass ich Dir mit meinen Beobachtungen helfen konnte.

LG

Dirk

Profile picture for user Wolfgang Zeiselmair
MOD

Grüß Dich Dirk,

erst einmal vielen Dank für die Mühe die Du Dir mit meinem Bild gemacht hast. Das Du die Kommentare vorher nicht gelesen hast ist so falsch übrigens nicht, ich mache es ähnlich, ich schreibe meinen Kommentar und lese die anderen Anmerkungen erst danach. Ich bleibe so unbeeinflusst. Erst wenn das Gerüst steht lese ich Kommentare der anderen User und gehe dann auch gerne darauf ein bevor ich auf "speichern" drücke.

Servus
Wolfgang

Profile picture for user Roland
ADMIN

Objektive und subjektive Parameter der Bildwahrnehmung

Hallo alle zusammen,

nun sind hier eine Menge Einschätzungen zu den beiden Hortensien-Fotos eingegangen. Sie zeigen, wie unterschiedlich ein Foto wahrgenommen werden kann. Dies belegt: Wahrnehmung ist sehr subjektiv.

In dieser Tatsache liegt eine interessante Gegebenheit der Bildbewertung begründet. Während einerseits eine starke subjektive Komponente der Wahrnehmung existiert, gibt es andererseits Regeln der Bildgestaltung, die mehr oder weniger objektive Gültigkeit haben. Bildgestaltungen beispielsweise entsprechend der Drittel-Regel oder des Goldenen Schnitts wirken für die meisten Betrachter harmonisch, was ihre prinzipielle Gültigkeit festlegt (natürlich gibt es hierzu viele Ausnahmen).
Zusätzlich greift die individuelle, subjektive Wahrnehmung eines jeden Bildbetrachters, die bestimmt wird beispielsweise durch eigen Erfahrungen/Erlebnisse, (temporäre) Stimmungen oder Erwartungen. Beide Punkte zusammen führen schließlich zu einer Wirkung des Fotos auf den Bildbetrachter – und in deren Folge zu einer Bewertung.

Genau dieser Prozess wird durch die vielen teils unterschiedlichen Wahrnehmungen zu den Hortensienfotos verdeutlicht. Die Assoziationen gehen von "Trauerbild" über "irgendwie langweilig" und "gedrücktem Aussehen der Blüte" bis hin zu "Widerspruch in der Bildaussage".

So unterschiedlich die Wahrnehmungen sind, oben drüber steht: Keiner hat Unrecht! –  bzw. alle haben (für sich) Recht. Genau hierin finden wir die Subjektivität der Wahrnehmung.

Jeder der Betrachter hat sich intensiv mit den beiden Fotos beschäftigt. Und keiner ist zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Fotos einfach nur schlecht sind. Und auch hierfür gibt es einen Grund, nämlich die Beachtung und Umsetzung von klassischen Bildgestaltungsregeln – also der objektiven Komponente. Beide Fotos verfügen über einen simplen, aber wirkungsvollen, harmonischen Bildaufbau: Das Hauptmotiv ist jeweils auf einer Drittellinie platziert, bei Bild eins zusätzlich mit dem "Blick ins Bild".
Auch sind beide Fotos technisch fehlerfrei umgesetzt. So passen beispielsweise Belichtung und Schärfefestlegung. Auch diese Punkte haben eine gewisse objektive Gültigkeit.

Lägen bei den objektiven Parametern "Fehler" vor, würden diese den Bildbetrachtern auffallen (vielleicht auch nur bei ihnen "wirken") – spätestens nach längerer Bildbetrachtung. Da dies aber nicht der Fall ist, konzentriert sich die Wahrnehmung ausschließlich auf die oben beschriebenen subjektiven Parameter – und deren Merkmal ist ihre grundverschiedene Gültigkeit.

Diese Bildeinstellungen verdeutlichen die Wesen der objektiven und subjektiven Parameter der Bildwahrnehmung – und, wie wichtig die Beachtung der objektiven ist! Denn nur, wenn diese Beachtung finden, ist der Raum frei für die subjektiven.

Aus diesem Grund sprechen wir hier bei Makrotreff bei den Bildbesprechungen so penetrant immer und immer wieder diese objektiven Kriterien an.

Dir, Wolfgang, vielen Dank für diese beiden äußerst interessanten Bildeinstellungen.

Allen Usern, die sich geäußert haben, vielen Dank für Eure Kommentare.

Liebe Grüße 

Roland

Profile picture for user Wolfgang Zeiselmair
MOD

Danke Roland,

das war doch jetzt mal richtig ausführlich mit vielen Denkanstößen. Mit Fotografien verhält es sich ab und an wie mit einer Mahlzeit. Wenn man kostet, sollte man ganz rational beurteilen ob der Koch alles richtig gemacht hat oder aber auch nicht. Hin und wieder ist es dann so, dass das Essen handwerklich wunderbar gelungen ist, es einem aber trotzdem nicht schmeckt, weil man zum Beispiel Innereien einfach nicht mag. Da ist nichts falsches daran zu sehen. 

Servus
Wolfgang

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Wolfgang,

ein sehr schöner Vergleich: Das Rezept kann noch so raffiniert sein. Ist das Gemüse angebrannt, kannst Du die ganze (vegetarische) Mahlzeit knicken :-).

Lassen wir also im ersten Schritt unsere Bilder nicht anbrennen. Dann können wir uns wie oben in Ruhe und konzentriert über den (individuellen) Geschmack unterhalten...

Das ist ein schönes Bild (grins).

Liebe Grüße

Roland

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